Funktion der Wattschen Dampfmaschine

Bild 1 Wie alle Wattschen Dampfmaschinen arbeitete die Maschine auf dem König-Friedrich-Schacht mit dem geringen Dampfüberdruck von ca. 0,3-0,4 bar. Bestimmend für die Leistung war vor allem die Güte des im Kondensator erzeugten Vakuums.

Im oberen Totpunkt des Kolbens sind das Einlaß- und das Auslaßventil (EV bzw. AV) geöffnet, während das Ausgleichsventil (GV) geschlossen ist. Der Dampf strömt in den Zylinder und drückt den Kolben nach unten, unterstützt durch den Unterdruck unter dem Kolben (Bild 1). Bei diesem Arbeitstakt werden die Kolben der Schachtpumpen und damit das Wasser aus dem Schachtsumpf gehoben (Bild 4).

Kurz vor dem unteren Totpunkt schließen EV und AV, GV wird geöffnet. Aufgrund des Druckausgleichs zieht das Übergewicht des Schachtgestänges den Kolben wieder hoch. Der entspannte Dampf strömt dabei durch die Ausgleichsleitung in den Zylinderraum unter dem Kolben. Zum Austarieren der Kräfte dient ein mit der Schachtstange gekoppelter Hilfsbalancier mit Gewichtskasten. Auf diese Weise wird erreicht, daß der Leertakt mit der gleichen Geschwindigkeit abläuft wie der Arbeitstakt (Bild 2).

Beim Erreichen des oberen Totpunktes wechselt die Ventilstellung wieder, und der nächste Arbeitstakt beginnt. Während frischer Dampf oben in den Zylinder einströmt, wird der vom vorhergehenden Takt unter dem Kolben befindlichen Dampf durch die kupferne Abdampfleitung in den Kondensator ausgestoßen (Bild 1).

Bild 1 Das Einspritzventil (SV) ist während des Arbeitstaktes geöffnet. Durch Einspritzen von kaltem Wasser kondensiert der Abdampf. Zusätzlich findet im wassergekühlten Abdampfrohr eine Oberflächenkondensation statt, so daß ein 90prozentiges Vakuum erreicht wird. Die Naßdampfpumpe (im Kondensatorkasten) entfernt das Kondensat-Luft-Gemisch aus dem Kondensator.

Die über dem Kasten stehenden Heißwasserpumpe hebt das Kondensat 4,5 m hoch auf eine Rinne, aus der es dem Kessel durch die Speiseleitung allein infolge der statischen Druckhöhe wieder zuläuft (Bild 3).

Die Kataraktsteuerung ist durch Sperrklinken für EV und AV gekennzeichnet. In einem kleinen, wassergefüllten Zylinder wird beim Leertakt ein Kolben aufgezogen, der danach mehr oder weniger schnell, durch Gewichte regulierbar, abwärts geht und dabei die Klinkenhebel der Dampfventile verzögert freigibt.

Für den einwandfreien Gang der Maschine war es wichtig, daß die Ventile genau im richtigen Moment öffneten und schlossen, damit der Kolben nicht an den Zylinderböden anschlug oder der Balancier aufsetzte. Am Steuerbaum sind deshalb die Knaggen der Ventilbetätigung verstellbar, und die Maschine ließ sich damit unterschiedlichen Lastverhältnissen anpassen. Zum Inbetriebsetzen der Maschine waren die Ventile von Hand zu steuern.

Leistungdaten
 Fördermenge 1,4 m3/min max.
Hubzahl 3 - 16 /min
Leistung am Balancier 24 kW max.
Brennstoffverbrauch 2250 - 3700 kg/24h (Steinkohle)
Wirkungsgrad ca. 2 %
Förderhöhe 56,5 m

Die Dampfmaschine des König-Friedrich-Schachtes von 1785 hatte eine Initialwirkung auf die weiteren Dampfkraftanwendungen in Deutschland. Bis 1806 waren ihr aus der Hettstedter Werkstatt weitere neun Maschinen gefolgt, von denen einige als Vorbilder für den aufkommenden Dampfmaschinenbau in Westfalen, Oberschlesien und Sachsen dienten.

Quelle: Elmar Hebestedt - Mansfeld-Museum